Fannyann Eddy (1974–2004)


Fannyann Eddy - Im Kampf für die Vielfalt der Liebe.

Fannyann ist eine junge Frau, die ihre Identität längst verinnerlicht hat. Ohne große Scheu sagt sie, dass sie lesbisch ist. In ihrer Heimat sind sexuelle Handlungen zwischen Männern strafbar. Lesbische Liebe hingegen wird im Gesetzbuch nicht erwähnt. Nur ein Indiz für die geringe Wertschätzung, die Frauen in Sierra Leone entgegengebracht wird. Nach dem Bürgerkrieg in ihrem Heimatland gründet Fannyann Eddy die Sierra Leone Lesbian and Gay Association. Sie hilft ausgegrenzten, misshandelten und traumatisierten Menschen. Ihr Kampf führt sie bis in den UN-Menschenrechtsrat. Ihre Popularität bringt sie schließlich in Lebensgefahr.
Alle Folgen von HUMAN MINDED, dem Podcast des Saarländischen Rundfunks.


Ihre immer noch aktuelle Rede vor der UN-Menschenrechtskommission in Genf hat die Hirschfeld-Eddy-Stiftung publiziert (deu/eng, Print und PDF, kostenlos bestellbar):


In ihrer von einem langjährigen Bürgerkrieg zerrütteten Heimat gründete Fannyann Eddy 2002 die Sierra Leone Lesbian and Gay Association (SLLGA). Die Organisation bietet soziale und psychologische Unterstützung, setzt sich gegenüber Behörden und Regierung für die Rechte von Lesben und Schwulen ein. Fannyann Eddy ist dabei offen und selbstbewusst als lesbische Frau in einer Homosexuellen feindlich gesinnten Gesellschaft aufgetreten, in der Lesben und Schwule in Angst und Unsichtbarkeit leben. Sie war eine Persönlichkeit mit außerordentlichem Mut und außerordentlicher Integrität, die buchstäblich ihr Leben den Menschenrechten widmete.

Mit ihrem Mut und ihrem Einsatz wurde sie bald in ganz Afrika und weit darüber hinaus bekannt. Als Mitglied der Kommission der All Africa Rights Initiative (AARI) und der panafrikanischen Coalition of African Lesbians (CAL) weitete sie ihre Arbeit auch über die Grenzen Sierra Leones hinaus aus.

Im April 2004 hielt Fannyann Eddy eine bewegende Rede vor der UNO-Menschenrechtskommission in Genf. Sie beklagte, dass die Behörden Sierra Leones Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen weder verfolgen noch bestrafen: „Angst ist unser ständiger Begleiter.“ Angst in der Öffentlichkeit, Angst in der Familie, nirgendwo ein Ort der Sicherheit. „Schweigen macht uns verletzlich. Sie, Mitglieder der Menschenrechtskommission, können dieses Schweigen brechen. Sie können anerkennen, dass wir existieren, in allen Teilen Afrikas, auf allen Kontinenten, und dass unsere Menschenrechte jeden Tag verletzt werden.“

Die UNO-Menschenrechtskommission ist Fannyann Eddys Appell nicht nachgekommen. Eine von Brasilien vorlegte Resolution für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender fand keine ausreichende Unterstützung und wurde vertagt.

Nur wenige Monate nach ihrem Auftreten in Genf wurde Fannyann Eddy selbst Opfer von Hass und Gewalt. Im September 2004 wurde sie im Büro der SLLGA ermordet aufgefunden.Berichten zufolge war sie mehrfach vergewaltigt worden, ihr Gesicht war verstümmelt, das Genick gebrochen. Fannyann Eddy hinterließ ihre Lebensgefährtin Esther und einen neunjährigen Sohn.